Wie „überlebt“ man 68 Seetage an Bord eines Kreuzfahrtschiffes?

Ein Erfahrungsbericht von unserer Gastautorin Brina Stein…

Im Rahmen meiner Kreuzfahrt um die Welt besuchte ich 2015 Südamerika, Australien / Ozeanien und Südafrika. Die Kreuzfahrt um die Welt begann und endete in Italien, Savona, und ich legte in vier Monaten 33.216 Seemeilen zurück.

Von den 115 Reisetagen waren stolze 68 Seetage (ca. 60%!!!), denn es galt ja die großen Distanzen zu überwinden! Nun gut, eigentlich waren es nur 67 Seetage, da wir einen Tag aufgrund der Datumsgrenze übersprangen. Der 5. März auf dem Weg von Moorea nach Tonga fiel für mich aus.

Früher war ich ein absoluter Fan von Seetagen. Mal ausschlafen, ein spätes Frühstück. Ein wenig sonnen, mal in den Wellnessbereich gehen. Vor der großen Reise war ich absolut gespannt, wie man sich so am dreißigsten Seetag fühlen würde. Der war dann am 08. März und wir waren am ersten Seetag von zweien auf dem Weg nach Neuseeland. Ich kann nur sagen, dass ich an diesem Tag extrem genervt war. Warum, das wusste ich selbst nicht, wurde aber am Abend versöhnt, denn da tauchten einige Ureinwohner Neuseelands, die Maori, auf und boten eine tolle Show im Theater. Sie waren offensichtlich in Tonga zugestiegen, ohne dass wir Passagiere dies groß bemerkt hatten. Da waren natürlich auch wir zu Gast im Theater.

bei der Arbeit
(Gastautorin Brina bei der Arbeit)

Ansonsten hatte sich mitten auf hoher See eine gewisse Form des Gelangweiltseins eingestellt, denn es war alles alltäglich und immer gleich. Die Animation bot Tanzkurse, Basteln, Quizspiele oder auch Bingo an, alles keine Programmpunkte, die mich reizten. So orientierte man sich mehr oder weniger an den Essenszeiten. Morgens ein kleines Obstfrühstück, danach arbeitete ich an einem neuen Buch bis zum Mittag. Der Nachmittag gehörte dann meinem Mann. Während ich in der Kabine schrieb, es war der einzige Ort an Bord, wo ich konzentriert und ungestört arbeiten konnte, sah er sich Filme im Bord-TV an, die er später, da sie von der Auswahl begrenzt waren, in- und auswendig kannte.

Nach dem Mittagessen unterhielten wir uns oft und sehr interessant mit den lieben Barkellnern und meistens besuchten wir auch den Bordshop. Dort gab es auch schon längst nichts Neues zu entdecken, aber wir hatten uns mit der Verkäuferin angefreundet, die sich immer über einen Besuch freute. Das große Kreuzfahrtschiff, die Costa Deliziosa, welches rund 2.000 Passagiere an Bord hatte, wurde mehr und mehr zu einem kleinen Dorf. Man konnte vorhersagen, wer zu welcher Zeit z. B. im Atrium auf Deck 4 an der Bar saß. Praktisch, wenn man jemanden treffen wollte oder auch nicht. Den üblichen Dorftratsch über alle Nationen gab es übrigens gratis dazu.

Heckwelle nach Sydney
(Auf hoher See, kurz vor Sydney, Australien)

Um 18 Uhr galt es dann im Restaurant am zugewiesenen Tisch zum Abendessen Platz zu nehmen. Es bürgerte sich ein, dass ich mich immer kurz vorher mit einigen anderen Passagieren auf eine Zigarette in der „Cigar Lounge“ traf. Auch hier ging es stetig um die Frage: „Gibt es was Neues?“ Nach dem Abendessen galt es dann kreativ den Abend zu gestalten. Da ich nicht zu den normalen Showfreaks im Theater gehörte, war das auch wieder eine Herausforderung, die ich mit meinem Mann aber meistern konnte. Oft machte man Pläne für den nächsten Tag, wenn endlich wieder Land in Sicht sein würde. Oder man hakte den Tag als vielleicht ersten Seetag von sieben (das hatten wir auf der Strecke von Australien nach Mauritius) einfach ab.

Oft war auch der Sonnenuntergang am Abend über dem Meer das Highlight! Der schöne Nebeneffekt an der hohen Anzahl an Seetagen aber war, dass man wirklich mal runterkam, Bücher las, Fotos sortierte, Eindrücke der letzten Stationen verarbeiten konnte und sich die Welt peu à peu entschleunigte. Welch ein Luxus!

Dieser Erfahrungsbericht ist ein Gastbeitrag von Kreuzfahrt-Roman Autorin Brina Stein.

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