Longyearbyen – Spitzbergens Kreuzfahrthafen (Arktis)

Eisbär Svalbard
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Longyearbyen ist nicht wie andere Orte. Nur etwas mehr als 2.000 Menschen leben in der arktischen Siedlung auf Spitzbergen und doch häufen sich hier die Superlative und Besonderheiten:  Die nördlichste Kirche der Welt findet sich hier, wer das Städtchen verlässt, hat stets ein Gewehr dabei und Sterben ist strengstens verboten.

Longyearbyen – Von der Arbeitersiedlung zum Kreuzfahrthafen

Als malerisch kann man Longyearbyen eigentlich nicht bezeichnen. Vor allem im Sommer, wenn die Sonne 24 Stunden lang scheint und eine überschaubare Anzahl von Touristen nach Spitzbergen beziehungsweise auf das Inselarchipel Svalbard kommt, wirkt das Örtchen ein wenig wie ein zusammengewürfelter Haufen von Häusern, Zweckbauten und Überbleibseln der Kohleindustrie. Das stört hier keinen. Sowieso liegt hier im hohen Norden auf der zu Norwegen gehörigen Inselgruppe alles für viele Monate unter einer dicken Schneedecke. Und vieles, was scheinbar Ruine oder vermeintlich Sperrmüll ist, steht unter Denkmalschutz und darf nicht angerührt und schon gar nicht weggeräumt werden. Das betrifft vor allem die Überbleibsel des Kohlebergbaus, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts hier seinen Anfang nahm und heute nur noch mit einer Mine, der Grube 7 etwas außerhalb des Ortes, betrieben wird. Die Minen eins bis sechs, die rund um Longyearbyen in Betrieb waren, sind heute nur noch durch ihre baulichen Überreste wie die Eingangsbauten und die hölzernen Grubenseilbahnen auf den Hängen  präsent. Heute, wie gesagt, steht alles unter Denkmalschutz und erzählt eindrucksvoll aus dieser Zeit, als Longyearbyen vor allem eine von Männern dominiert Minenarbeitersiedlung war.

Das moderne Longyearbyen – das Herz von Spitzbergen

Heute hat sich das Bild komplett geändert. Longyearbyen ist ein Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum, so etwas wie das Herz von Spitzbergen und der gesamten arktischen Inselgruppe. Es gibt eine Universität, etliche namhafte Forschungseinrichtungen, ein Krankenhaus, Museen, einen gut sortierten Supermarkt, kleine Shops mit Souvenirs  und Outdoor-Kleidung, Cafés und deutlich mehr Hostels und Hotels, als man es für einen solch kleinen und abgelegenen Ort erwarten würde. Das liegt zum einen daran, dass es viele Naturfreunde nach Spitzbergen zieht, die dort auf Wanderungen oder winterlichen Schlittenfahrten die dramatische Landschaft, die Fauna und Flora entdecken wollen. Und es liegt an den Kreuzfahrtgästen, die von hier aus auf kleinen Expeditionsschiffen die Inselgruppe Svalbard umrunden möchten oder von Spitzbergen eine polare Expedition zum Beispiel zum russischen Archipel Franz-Josef-Land starten.

Spitzbergen

Longyearbyen ist auf solchen Reisen quasi der Sonnenplatz. Die Siedlung liegt am Adventfjord, einem Seitenarm des Isfjord, der dank eines – allerdings sehr schwachen – Ausläufers des Golfstroms das ganze Jahr über eisfrei ist. Damit ist Longyearbyen gut erreichbar, immer einige Grade wärmer als andere Gegenden auf diesem Breitengrad und zeigt in den Sommermonate eine üppige Fülle an Blumen, Moosen und Flechten. Da die Vegetationsperiode kurz ist, sind all die Pflanzen winzig klein. Doch wer genau hinschaut, ist bezaubert von den Farben und der Schönheit der Blumenwinzlinge, darunter der arktische Mohn und viele Steinbrechpflanzen mit ihren zarten Blütenständen. Vor allem sieht man sie, wenn man Longyearbyen verlässt und sich zu Fuß in die Berge aufmacht.

Aber Achtung: Ein ungewöhnliches Straßenschild weist an den Ortseingängen darauf hin – es herrscht Eisbären-Gefahr. Die pelzigen Riesen zählen Spitzbergen zu ihrer Heimat und können auf der Suche nach einer Mahlzeit durchaus auch Menschen gefährlich werden. Das ist auch der Grund, warum kein Einheimischer – und ein Tourist sollte da keine Ausnahme machen – die Siedlung ohne Gewehr verlässt.

Gibt es Eisbären und Polarfüchse in Longyearbyen?

Der Polar Bear – so heißt er auf Englisch – gilt in Longyearbyen eigentlich in gewisser Weise als Feind, aber ist und bleibt trotzdem ein Sympathieträger. Und so stößt man auch in Longyearbyen auf Schritt und Tritt auf Eisbären – als Stofftier, als Schokoladenpraline oder ausgestopft vor einem Laden, in dem man warme Pelzutensilien wie Handschuhe Mützen und ähnliches kaufen kann. Auf Spitzbergen ist der Eisbär geschützt  und darf nicht gejagt werden, doch in anderen Gegenden der Arktis gibt es Ausnahmen.    

    Eisbär 

Während man innerhalb Longyearbyens kaum auf einen Eisbären treffen wird, sieht es mit weiteren Vierbeinern schon anders aus. Da kann durchaus ein Polarfuchs mit seinem dichten, teilweise bläulich schimmernden Pelz über die Wiesen laufen. Oder ein Spitzbergen-Rentier mit seiner gedrungenen Gestalt und dem eindrucksvollen Geweih zieht ohne große Scheu umher und knabbert an Moosen und Flechten. Ein ausgiebiger Rundgang durch den weit gestreckten Ort lohnt sich also durchaus.

Die Svalbard Kirke und andere Sehenswürdigkeiten

Empfehlenswert ist auch ein Besuch der Svalbard Kirke, der nördlichsten Kirche der Welt, die etwas oberhalb an einem Berg steht und einen schönen Blick in die Talsenke bietet, in die sich Longyearbyen schmiegt. Wie überall in Longyearbyen üblich – selbst in Hotels – zieht man vor dem Betreten des Gotteshaus, das für alle Religionen zuständig ist, die Schuhe aus und wechselt in bereitstehende Sandalen. Auch sonst ist in der Svalbard Kirke vieles etwas anders. Der eigentliche Kirchensaal geht über in einen gemütlichen Aufenthaltsraum mit Bücherschränken, Sitzgelegenheiten und dem Angebot, sich gegen eine kleine Gebühr an Kaffee oder Tee zu bedienen.

Nicht weit entfernt liegt ein Friedhof mit einigen weißen Holzkreuzen. Er ist ein Überbleibsel vergangener Zeiten, neue Kreuze sucht man hier vergeblich. Denn, egal wie lange man hier schon heimisch war, sterben darf man in Longyearbyen nicht. Wer ernsthaft erkrankt, wird ausgeflogen. Ebenfalls darf auf Longyearbyen kein Erdenbürger das Licht der Welt erblicken. Hochschwangere müssen Spitzbergen verlassen. Wiederkommen ist aber durchaus erwünscht. Sowieso ist Longyearbyen ein ungewöhnlich junger Ort, das Durchschnittalter soll bei 36 Jahren liegen. So wundert es auch nicht, dass es gleich drei Kindergärten gibt, dazu eine Schule, eine Sport- und eine Schwimmhalle. Viele der jungen Leute sind Studenten, arbeiten in den Forschungsstationen oder im Tourismus. Nicht wenige sind dem besonderen Charme von Longyearbyen verfallen. Sie wollten nur zu einem Kurzaufenthalt kommen und bleiben dann für viele Jahre.

Wer durch den Ort schlendert, kann bald verstehen, warum man hier ein Zuhause finden kann. Umrahmt von rauer Natur scheinen die Menschen hier ein wenig enger zusammenzurücken, die Uhren ticken ein wenig langsamer, die Leute sind freundlich und ohne jeden Hang zu überzogener Selbstdarstellung. Dazu geht es durchaus gesellig zu. Die Auswahl an netten Restaurants ist  eindrucksvoll hoch, es gibt Cafés wie das Fruene, das selbstgemachte Schokolade anbietet, oder das Rabalder im Kulturhuset mit leckeren Snacks und einer Kinderspielecke. Wifi, das sei gesagt, gibt es fast überall und der Empfang in Longyearbyen ist unerwartet gut.    

Outdoor-Aktivitäten und Museen

Der Ort ist klein, doch das Angebot ist – auch für Touristen – attraktiv. Neben Outdoor-Aktivitäten wie Schlittenhund-Fahrten im Winter und Wandern im Sommer locken sogar zwei Museen. Das Spitsbergen Airship Museum – auch North Pole Expedition Museum genannt – zeigt die Historie etlicher Arktisexpeditionen. Dazu kommt das Svalbard Museum bei der Universität, das Geschichte, Kultur und Natur des Archipels und der Arktis darstellt. Da kann man zum Beispiel die Kleidung ehemaliger Walfänger bewundern oder sich über die Nahrungskette im Polarmeer informieren.

Eine weitere bemerkenswerte Einrichtung zieht stets das Interesse von Touristen auf sich – auch wenn sie nicht besichtigt werden kann. Es handelt sich um den Global Seed Vault, einen Saatgutspeicher, der aus allen Teilen der Welt Samen für Kulturpflanzen quasi als Sicherheitsbackup bunkert. Ein nördlicher Ort wie Longyearbyen ist für so einen Saatgut-Tresor gut geeignet, da die Erde permanent gefroren ist. Im Global Seed Vault können 2,25 Milliarden Samen eingelagert werden. Sie befinden sich in künstlichen Höhlen, die in die Erde getrieben wurden. Die Temperatur in den unterirdischen Räumen wird konstant auf minus 18° Celsius gehalten.  

 Spitzbergen Flughafen

Longyearbyen Airport – der „Spitzbergen Flughafen“

Der Speicher befindet sich gleich beim Flughafen, dem wichtigsten Einfallstor nach Spitzbergen. Auch die meisten Expeditionskreuzfahrer kommen hier per Flieger an. Der Weitertransport von dort ist denkbar einfach. Immer wenn ein Flugzeugt landet, steht ein Bus bereit, der die Gäste aufnimmt und dann nacheinander die einzelnen Hotels abklappert. Kostenpunkt sieben Euro, die ganz unkompliziert mit der Kreditkarte bezahlt werden können. Zurück geht es auf die gleiche Weise. Wer nach einer Hotelübernachtung zum Pier möchte, wo sein Schiff liegt, braucht sich auch keine großen Sorgen zu machen. Theoretisch ist alles zu Fuß erreichbar, doch zum Gepäcktransport setzen die Kreuzfahrtanbieter in der Regel Busse ein. Logistisch ist Longyearbyen auf jeden Fall ein Kinderspiel – und wer es als Kreuzfahrtgast nicht allzu eilig hat, sollte auf jeden Fall einen Extratag in dieser sympathischen Gemeinde am Isfjord einplanen. 

Vom Kreuzfahrthafen Longyearbyen in die Innenstadt

Genauso einfach ist es natürlich auch andersherum. Wenn nicht zu seinem Kreuzfahrtschiff anreist oder abreist, sondern auf einer längeren Kreuzfahrt ist und nur in Longyearbyen Landgang hat, braucht sich ebenfalls keine Gedanken machen. Alles ist fußläufig direkt ab Kreuzfahrthafen erreichbar, die Schiffe parken quasi mittendrin.

Lies jetzt auch unseren Blogpost „Spitzbergen Kreuzfahrt ab Longyearbyen

© Text: Jutta Lemcke, Fotos: Kreuzfahrten-Blogger Christof

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Über den Autor

MEE(H)R Schiff bitte! Vom Backpacking-Abenteuer in der Wüste Australiens, über Gletscher-Expeditionen in Neuseeland, bis hin zur Luxus-Kreuzfahrt im Nordmeer. Kreuzfahrten-Blogger Christof (alias CPTNCHRIS) hat mit seinen 26 Jahren schon mehr als 45 Länder bereist. Seit über 5 Jahren teilt er seine Erfahrungen schon als Blogger. Jetzt hat es ihn aufs Meer verschlagen und bloggt über alles rund um Kreuzfahrten. Folge Kreuzfahrten-Blogger.de auf Facebook für Updates, Erfahrungsberichte, Tests und neue Reiseideen rund um das Abenteuer auf See!

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