Durban – Heiler-Märkte und Zulu-Tradition

Durban Heilermarkt

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Durban hat zwar keinen Tafelberg wie das allseits gefeierte Kapstadt, doch die Stadt mit der Sonnengarantie und schönstem Sommerwetter rund ums Jahr ist auf jeden Fall einen Besuch wert! Die Strände direkt an der Stadt, die sich auch noch kilometerweit gen Norden und Süden erstrecken, locken mit feinem Sand und angenehm warmem Wasser für alle Badelustigen und Surfer. Doch wer das multikulturelle Herz Durbans, der Hauptstadt der Provinz KwaZulu-Natal, kennen lernen möchte, muss sich ins Getümmel stürzen. Besonders spannend sind die neun Warwick-Markets, eine Aneinanderreihung von unterschiedlichen Märkten für alle Geschmäcker. Am spannendsten sind der indische Markt, der Zulu-Markt und – als besonderes Kuriosum – der Heiler-Markt mit allerlei unbekannten und zum Teil auch gruseligen Requisiten.

Einheimischer Markt-Führer

Die Märkte sollten am besten mit einem kundigen Führer besucht werden. Man kann sich dort recht schnell verlaufen und an einigen besonders spannenden Ecken ist man besser nicht alleine unterwegs. Mit einem Führer an der Seite, der weiß, wie man sich verhalten muss, ist das aber überhaupt kein Problem.

Wichtiger Tipp: Fragt nach einem einheimischen Führer, am besten einem Zulu. Die Zulus stellen die größte Bevölkerungsgruppe der Stadt und auch der Provinz KwaZulu-Natal. Ihre Kultur ist besonders reich an für Mitteleuropäer ungewohnten Traditionen, so dass ein Zulu viele spannende Geschichten aus dem Alltag und Familienleben dieser stolzen Volksgruppe erzählen kann.

Muthi Markt – Heiler und Kräuterkundler

Mit ihm geht es dann z.B. auch auf den Muthi-Markt, den Markt der Heiler und Kräuterkundler. Hier kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. In kleinen wackeligen Bretterbuden werden allerlei unbekannte Dinge angeboten, die man zuerst gar nicht definieren kann. Wir sind mit unserem Zulu-Guide Thamsanda Ndlovu unterwegs. Er kauft selber häufig auf dem Muthi-Markt ein und ermöglicht uns, mit einigen Händlern zu sprechen und auch Fotos zu machen. Gewöhnlich mögen die Kräuterkundler das nicht. Vor allem diejenigen, die ihre „Zutaten“ für die Heilmittel aus Tieren gewinnen. Da hängen struppige Felle an den Bretterwänden, Schlangenhäute, Haigebisse und Gecko-Krallen. Zu oft haben die Händler die Erfahrung gemacht, dass man sie deswegen verunglimpft, ohne zu berücksichtigen, dass die Zulus schon seit Menschengedenken an die Macht dieser tierischen Bestandteile glauben.

Wenn zum Beispiel ein Elternpaar gerne Zwillinge bekommen möchte, holt es sich auf dem Muthi-Markt eine Medizin, die aus Tieren gewonnen wurde, die selber meist Mehrlingsgeburten haben. Ob jemand Ohrenschmerzen hat oder Verdauungsprobleme, ob er unter Traurigkeit oder Liebeskummer leidet – auf dem Muthi-Markt findet er garantiert eine Medizin. Natalie, eine 71-jährige Frau aus dem Norden der Provinz Kwa-Zulu-Natal, verkauft zum Beispiel die Borke der Gelbrinden-Akazie, die in Südafrika Fever Tree genannt wird. Wer den Sud daraus in großen Mengen auf nüchternen Magen zu sich nimmt, so heißt es, beginnt von innen heraus zu strahlen. Vor allem Leute, die einen Job suchen, so erzählt Thamsanda, benutzen das Mittel, um sich aus der Masse herauszuheben und so von ihrem potenziellen Arbeitgeber ausgesucht zu werden.

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Dann sprechen wir noch mit Mgabhi Mhlongo, der in einem winzig kleinen Verschlag hockt, an dessen Wänden jede Menge Fläschchen aufgereiht sind. Sie enthalten unterschiedliche Tierfette, zum Beispiel von Eseln, Antilopen oder Schlangen. Sie dienen als Grundlage für Cremes mit allerlei Wunderkräften. Doch vor allem bietet Mgabhi in großen Bastkörben Kräuter- und Pflanzenmischungen an. Zu den Bestsellern gehört Umuthi Wothhando – ein leuchtend pinkfarbenes Puder, dem magische Kräfte nachgesagt werden. Wer einen Tee daraus zwei Wochen lang trinkt, erreicht, dass der oder die Angebete die eigene Liebe erwidert. Mindestens ebenso beliebt, so verrät Mgabhi ist ein Fläschchen mit einer Geheimtinktur. „Wollt ihr mal probieren“, fragt er. Natürlich lehnen wir dankend ab. Erst dann verrät der Kräuterkundler, dass diese Tinktur für besondere sexuelle Energie in der Nacht sorgt. Die Leute kaufen das ganz öffentlich, erklärt er uns noch auf die Nachfrage, ob das den Käufern nicht peinlich sei.

Schließlich führt uns Thamsanda noch in eine Art afrikanische Imbissbude. Eine ältere Frau namens Gagyayi kocht dort Rinderköpfe – eine Delikatesse unter den Zulus, erfahren wir. Zwei beherzte Touristen greifen zu und erklären den Zulu-Snack für lecker. Dann verlassen wir den Muthi-Markt und laufen zum indischen Markt.

Tipp: Falls du Land und Leute noch intensiver kennenlernen und in die südafrikanische Kultur abtauchen willst, dann schaue dir mal diese geführte Abenteuer Tour entlang der Garden Route an. In 10 Tagen fährst du mit einer kleinen Gruppe von maximal 12 Personen, und einem einheimischen Guide, welcher vor Ort geboren und aufgewachsen ist, zu den besten Spots der Einheimischen: 10 Tage Südafrika Backpacker Trip.

Indischer Markt – warum ausgerechnet indisch?

Auf der Strecke zum indischen Markt bleiben wir in einer Menschenansammlung stecken. Was sie zum Zuschauen veranlasst, sehen wir kurz darauf. Zwei Männer liefern sich ein Wortgefecht, wobei sie eine Albino-Phyton hin- und herschwenken. Thamsanda erklärt das für Hokuspokus. „Sie wollen nur Aufmerksamkeit erregen und versuchen dann, den Zuschauern das Geld aus der Tasche zu ziehen. So verkaufen sie etwa Briefumschläge, von denen sie behaupten, dass sie sich über Nacht mit Geld füllen würden.“ Eine Art Trickbetrüger, so meint unser Guide. Die Albino-Phyton ist allerdings beeindruckend und es ist kein Problem, Fotos und Filme zu machen.

Richtig authentisch wird es dann wieder auf dem indischen Markt. Dazu muss man wissen, dass in Durban die größte indische Bevölkerungsgruppe außerhalb ihres Heimatlandes lebt. Die Inder wurden im 17. Jahrhundert als Sklaven nach Südafrika gebracht. Heute leben sie selbstverständlich als freie Bürger und prägen das Leben und natürlich mit ihren Curries die Essgewohnheiten der Stadt. Interessanter Nebenaspekt: Auch Mathama Gandhi lebte und wirkte in Südafrika. Rund 21 Jahre verbrachte er dort, eine lange Zeit davon in Durban und Umgebung. Nahe Durban, im Städtchen Pietermaritzburg, fiel seine Entscheidung für den gewaltlosen Widerstand. Er fuhr als Rechtsanwalt in der ersten Klasse der Bahn und wurde hinausgeworfen, da Farbige in der damaligen Zeit in den Luxuswaggons nicht geduldet waren. Er verbrachte die Nacht im Bahnhofsgebäude und erzählte später, dass er damals entschied, sich gegen die Ungleichheit zu wehren – allerdings ohne jemals Gewalt anzuwenden.

Gandhi kehrte später nach Indien zurück, doch viele Landsleute blieben. Vor allem die Küche haben sie mit ihren Kreationen bereichert. Typisches Streetfood in Durban ist zum Beispiel Bunny Chow – ein Curry aus Hähnchen, Lamm oder Gemüse, das in einem ausgehöhlten Toastbrot serviert wird – klingt ungewohnt, schmeckt aber köstlich und ist an jeder Straßenecke für kleines Geld zu haben.

Interessant zu wissen für alle, die bei Streetfood normalerweise zurückhaltend sind. In Südafrika bleibt man als Westeuropäer von Magen- und Darmproblemen in den allermeisten Fällen verschont. Das liegt auch daran, dass das Wasser als unbedenklich für den Verzehr eingestuft wird. Anders als in vielen anderen exotischeren Ländern der Erde kann man in aller Regel sogar Leitungswasser trinken, ohne schlimme Folgen zu riskieren.

Wer den Hintergrund der indischen Einwanderer in KwaZulu-Natal kennt, wundert sich nicht, wenn er in Durban auf einen großen indischen Markt stößt, in dem es köstlich duftet und durch den Frauen in farbenprächtigen Saris schlendern, um in den Gewürzläden einzukaufen. Hier gibt es alles, was man aus indischen Läden kennt: Zu Pulverbergen aufgehäufelt findet man Kurkuma, Safran, Kreuzkümmel, Kardamon und vieles mehr. Immer wieder einen Besuch wert ist der kleine Shop Madari & Sons (Shop S53, Victoria Street Market). Der indische Chef spricht ein wunderbares Deutsch, gespickt mit Sprichwörtern und Redewendungen, die man auf einem indischen Markt in Südafrika einfach nicht erwartet. Er liefert die ganz große Show und animiert auf nette Weise zum Kauf seiner Gewürze, die zu sehr angemessenen Preisen angeboten werden. Sogar aus Johannesburg, so erzählt er, kommen seine Kunden, um Gewürze zu erstehen. In der indischen Markthalle ist es übrigens kein Problem, allein umherzuziehen und sich an den Gewürzständen Appetit zu holen, selbstgemachten Schmuck zu kaufen oder einen Bunny Chow zu bestellen.

Warwick Märkte – Zulu Markt

Zu den Warwick-Märkten mit den rund 6.000 Straßenhändlern gehören noch der Fleisch- und Fischmarkt, der Gemüsemarkt und – als weitere Besonderheit – der Zulumarkt. Hier wird es noch einmal besonders spannend, denn hier kaufen die Zulus alles ein, was zu ihrer Kultur gehört. Auch Kauflustige aus dem Ausland werden hier fündig, denn vor allem Schmuck und weitere Utensilien aus Glasperlen, aber auch Taschen und Kissen aus Ziegenfell gibt es in Hülle und Fülle.

Doch muss man wissen, dass es sich keineswegs um einen reinen Touristenmarkt handelt. So gibt es hier die traditionelle Kleidung der Zulus zu kaufen, die diese auch heute noch zu Zeremonien, zum Beispiel zur Hochzeiten, tragen. Unser Zulu-Guide Thamsanda kann davon aus erster Hand berichten, denn seine Hochzeit liegt gerade einmal drei Monate zurück. Was er zum Ablauf von Verlobungen, Mitgift und Hochzeiten erzählt, ist wirklich erstaunlich und würde man in modernen Zeiten gar nicht vermuten.

Tatsächlich muss auch heute noch jeder Zulu-Mann elf Rinder an die Familie der Braut zahlen, wenn er heiraten will. In der Stadt, wo keine Rinder gehalten werden, muss der geldliche Gegenwert aufgebracht werden, wobei ein Rind circa 1000 US-Dollar kostet. Thamsanda seufzt, denn nach seiner Heirat muss er nun finanziell erst einmal wieder auf die Beine kommen. Zur Hochzeit müssen traditionell gewisse Utensilien überreicht werden. Für alle engen Familienmitglieder der Braut gibt es Kissen, Decken und Zulumatten, für den Schwiegervater einen Hut, einen Mantel, einen Schirm und einen Anzug für die Hochzeit. Die Schwiegermutter bekommt einen Dreibeintopf, einen Korb, eine Schürze und Kosmetika. Für alle diese Gegenstände braucht man bereits drei Rinder beziehungswiese ihren Gegenwert. Drei weitere Rinder gehen für Möbel drauf, ein Rind wird zur Hochzeit geschlachtet. Die weiteren vier Rinder sind Verhandlungsmasse. „Theoretisch können Zulu-Männer durchaus mehrere Frauen haben“, erzählt Thamsanda – doch ob sie es sich leisten können, ist eine andere Sache.

Auch die Perlenarbeiten, die man auf dem Zulu-Markt findet, haben eine lange Tradition. Früher waren alle Zulu-Frauen reich mit Perlenschmuck behängt – auch heute noch tragen sie ihn zu Familienfeiern. Die Perlenhalsbänder hatten zumindest früher eine wichtige Bedeutung bei der Brautwerbung. Wenn junge Männer an Frauen interessiert waren, passten sie sie ab, wenn sie vom Wasserholen kamen. War auch die Frau bereit, sich mit dem Mann einzulassen, überreichte sie ihm ihr Perlenhalsband. Der Mann ging nach Hause und hisste eine weiß-rote Fahne – weiß für die Liebe, rot für die Leidenschaft. Die Familie wusste dann Bescheid, dass der Mann heiraten will und bereitete die Mitgiftverhandlungen vor. Auch die Eltern der zukünftigen Braut wussten von der neuen Entwicklung, da ihre Tochter ohne ihr Perlenhalsband nach Hause gekommen war. Thamsanda hat seine Frau allerdings nicht am Brunnen, sondern am Bushäuschen kennen gelernt, wie er uns erzählt. Auch hat er keine Fahne gehisst, das wird nur auf dem Lande noch praktiziert. Die Verhandlungen und das Zahlen der Mitgift und die tagelangen Feiern anlässlich einer Hochzeit, so versichert uns Thamsanda, seien aber auch heute noch gang und gäbe.

Wer also auf dem Zulu-Markt Ziegenumhänge, Perlenketten, Speere und Dreibeintöpfe sieht, kann sicher sein, dass diese keineswegs für Touristen dort ausgelegt sind. Der Zulu-Markt ist auch heute noch gelebte Kultur dieser erstaunlichen Vorgruppe, die ihre alten Traditionen gegen moderne Entwicklungen verteidigt.

Zulu Kultur im Phansi-Museum

Wer sich für Zulu-Kultur interessiert, kann auch das Phansi- Museum in Durban besuchen. Der Privatmann Paul Mikulla hat dort eine eindrucksvolle Sammlung von Zulu-Kunst zusammengetragen. Es gibt Fruchtbarkeitspüppchen, Särge in Form von Fischen, Haushaltsgegenstände, Tongefäße und traditionelle Musikinstrumente. Besonders eindrucksvoll ist eine Kollektion aus 30 lebensgroßen Marionetten, die an der Decke hängen und bereits zu einer Ausstellung nach New York gereist sind. Sie tragen die traditionellen Trachten verschiedener ethnischen Gruppen aus Südafrika. Die prächtigen Gewänder sind aus Leder, Perlen und Fellen gearbeitet.
Phansi Museum, 500 Esther Roberts Road, Glenwood, Tel: +27 (0)31 206 2889, admin@phansi.com, www.phansi.com. Besuch/Führung nach Anmeldung.
African Art Center
Schöne und hochwertige Zulu-Arbeiten als Souvenirs gibt es im African Art Center. Das Non-Profit-Unternehmen unterstützt lokale Künstler und Kunsthandwerker.
The African Art Center, 94 Florida Road, Morningside, Durban, 4001, www.afriart.org.za.

Dieser Beitrag wurde von Kreuzfahrten-Bloggerin Jutta Lemcke verfasst. Fotos © Jutta Lemcke.
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